Zwischen den Jahren: Wie Familien gemeinsam auf 2025 zurückblicken (statt auf Netflix zu starren)
Die melancholische Stimmung nach dem Weihnachtstrubel, wenn der Baum noch steht, aber die Aufregung vorbei ist. Die Erkenntnis, dass das Jahr voller schöner Momente war, die man fast vergessen hätte.
Der Baum steht noch. Die Kerzen sind heruntergebrannt, die Geschenkpapier-Berge entsorgt, und irgendwo in der Küche liegen die letzten Reste vom Weihnachtsessen. Die Kinder spielen mit ihren neuen Sachen, vielleicht etwas zu laut, vielleicht etwas zu lange vor dem Bildschirm. Die Erwachsenen hängen auf dem Sofa und fragen sich, ob es schon wieder Zeit fürs Abendessen ist oder ob das noch der verlängerte Nachmittagskaffee war.

Willkommen zwischen den Jahren.
Diese seltsamen Tage zwischen Weihnachten und Silvester haben keinen richtigen Namen, keine klare Funktion. Sie fühlen sich an wie ein Niemandsland zwischen dem Trubel, der war, und dem neuen Jahr, das kommt. Viele Familien verbringen sie mit Netflix-Marathons, Spieleabenden oder dem Versuch, die Wohnung wieder bewohnbar zu machen.
Aber vielleicht steckt in diesen Tagen auch eine Chance. Eine, die nichts kostet, keine Vorbereitung braucht und trotzdem etwas Wertvolles schaffen kann: gemeinsam zurückzuschauen auf das Jahr, das fast vorbei ist.
Warum wir vergessen, was wir erlebt haben #
Kannst du aus dem Stand aufzählen, was in diesem Jahr alles passiert ist? Die großen Momente vielleicht, der Urlaub, der Geburtstag, der erste Schultag. Aber was war im März? Was hat dein Kind im Juni zum ersten Mal gemacht? Welcher Sonntagnachmittag war eigentlich richtig schön, auch wenn nichts Besonderes passiert ist?
Die meisten von uns können das nicht. Und das ist völlig normal. Unser Gehirn ist darauf programmiert, aktuelle Eindrücke zu priorisieren und ältere Erinnerungen zu überlagern. Was vor acht Monaten passiert ist, fühlt sich oft an wie aus einem anderen Leben.
Gleichzeitig fotografieren wir heute mehr als jede Generation vor uns. Smartphones haben dafür gesorgt, dass wir jeden Moment festhalten können. Das Problem: Die meisten dieser Bilder verschwinden in der Kamerarolle, werden nie wieder angeschaut, nie sortiert, nie geteilt. Sie sind da, aber sie sind nicht lebendig.
Und dann gibt es noch die Menschen, die gar nicht dabei waren. Die Großeltern, die 400 Kilometer entfernt wohnen. Die Tante, die nur alle paar Monate zu Besuch kommt. Der Vater, bei dem die Kinder nur jedes zweite Wochenende sind. Sie alle haben das Jahr nicht miterlebt, zumindest nicht so, wie es tatsächlich war. Sie kennen vielleicht die Eckdaten, aber nicht die Zwischentöne.
Die Idee: Ein Familien-Jahresrückblick als Ritual #
Was wäre, wenn diese seltsamen Tage zwischen den Jahren der perfekte Moment wären, um gemeinsam zurückzuschauen? Nicht als Pflichtübung, nicht als aufwändiges Projekt, sondern als entspanntes Ritual, das vielleicht eine Stunde dauert und am Ende alle ein bisschen glücklicher macht?
Die Idee ist simpel: Ihr setzt euch zusammen, ob zu zweit, zu dritt oder mit der ganzen Bande, und geht gemeinsam durch das Jahr. Ihr erinnert euch an Dinge, die ihr vergessen hattet. Ihr lacht über Fotos, die ihr seit Monaten nicht gesehen habt. Und vielleicht merkt ihr dabei, dass dieses Jahr gar nicht so durchschnittlich war, wie es sich zwischendurch angefühlt hat.
Das funktioniert mit Kindern ab etwa drei Jahren, die schon Erinnerungen haben und gerne Geschichten erzählen. Es funktioniert mit Teenagern, die vielleicht erst genervt die Augen verdrehen, aber dann doch plötzlich von Momenten erzählen, von denen du gar nichts wusstest. Und es funktioniert auch, wenn nur ein Elternteil mit den Kindern zusammensitzt, während der andere Teil der Familie woanders ist.
Fünf Fragen für euren Jahresrückblick #
Du brauchst keine Vorbereitung, keine Bastelutensilien, keine besonderen Materialien. Nur Zeit, vielleicht eine Tasse Kakao, und diese fünf Fragen, die jeder in der Familie beantworten kann:
Was war der lustigste Moment dieses Jahr?
Diese Frage ist perfekt zum Aufwärmen, weil sie leicht ist und meistens Gelächter auslöst. Kinder erinnern sich oft an völlig andere Dinge als Erwachsene. Vielleicht war der lustigste Moment für dein Kind, als Papa vom Fahrrad gefallen ist, und für dich, als die Katze in den Weihnachtsbaum gesprungen ist. Beides ist richtig.
Was hast du dieses Jahr zum ersten Mal gemacht?
Diese Frage macht sichtbar, wie viel Wachstum und Veränderung in einem Jahr steckt. Für Kinder ist die Antwort oft offensichtlich: zum ersten Mal Fahrrad gefahren, zum ersten Mal alleine zur Schule gegangen, zum ersten Mal im tiefen Wasser geschwommen. Aber auch Erwachsene haben solche Momente, nur vergessen wir sie schneller.
Welcher Mensch war dieses Jahr wichtig für dich?
Das muss nicht der beste Freund oder die Oma sein. Vielleicht war es die neue Lehrerin, die Nachbarin, die immer winkt, oder der Onkel, der im Sommer zu Besuch kam. Diese Frage hilft, Beziehungen sichtbar zu machen, die im Alltag untergehen.
Was möchtest du nächstes Jahr wieder machen?
Hier geht es nicht um Vorsätze oder Selbstoptimierung, sondern um das, was gut war. Der Ausflug an den See. Die Tradition, freitags Pizza zu bestellen. Die Nachmittage bei Oma. Was davon wollt ihr behalten?
Wenn du das Jahr in einem Bild zeigen müsstest, welches wäre es?
Diese Frage führt direkt zu den Fotos. Und sie ist schwer, weil sie Entscheidungen erfordert. Aber genau das macht sie wertvoll: Sie zwingt dazu, das Wesentliche vom Unwichtigen zu trennen.
Ein Jahr in zwölf Fotos #
Aus der letzten Frage kann ein kleines Projekt werden, das nicht länger als zwanzig Minuten dauert: ein Album mit zwölf Fotos, eines für jeden Monat.
Der Ablauf ist einfach: Öffne die Kamerarolle auf dem Handy oder scrolle durch die Familienfotos auf dem Computer. Geh Monat für Monat durch und wähle zusammen mit den Kindern ein Bild aus, das diesen Monat repräsentiert. Es muss nicht das beste Foto sein, nicht das schärfste oder schönste. Es muss das sein, das eine Geschichte erzählt.
Januar: Vielleicht der Schneemann im Garten, vielleicht die Kinder noch im Schlafanzug am Neujahrstag.
Februar: Der Fasching im Kindergarten oder der Besuch bei den Großeltern.
März: Die ersten Krokusse oder der Geburtstag des Mittleren.
So entsteht Monat für Monat ein visueller Jahresrückblick, der mehr erzählt als jede Chronik es könnte.
Dieses Album könnt ihr ausdrucken, in ein kleines Fotobuch kleben oder digital zusammenstellen. Und hier kommt der vielleicht schönste Teil: Ihr könnt es teilen. Mit den Großeltern, die weit weg wohnen. Mit dem anderen Elternteil, der viele dieser Momente nicht miterlebt hat. Mit der Patentante, dem Onkel, der Familie im Ausland.
Plattformen wie Hejme ermöglichen genau das: Fotos privat mit ausgewählten Menschen zu teilen, ohne dass sie auf Social Media landen, ohne dass Fremde sie sehen, ohne dass ein Algorithmus entscheidet, wer was zu sehen bekommt. Du bestimmst, welcher Kreis welche Erinnerungen bekommt. Die Großeltern bekommen vielleicht alle zwölf Bilder. Die entfernten Verwandten nur die Highlights. Und manche Momente bleiben ganz bei euch.
Verschiedene Familien, verschiedene Rückblicke #
Nicht jede Familie sieht gleich aus, und nicht jeder Jahresrückblick funktioniert nach dem gleichen Muster.
Wenn die Großeltern weit weg wohnen:
Für sie ist der Jahresrückblick besonders wertvoll, weil sie so viel verpasst haben. Vielleicht kannst du das Album nicht nur schicken, sondern einen Videoanruf machen und gemeinsam durchgehen. Die Kinder erzählen zu jedem Bild eine Geschichte, und plötzlich sind die 400 Kilometer gar nicht mehr so weit.
Wenn Eltern getrennt leben:
Der Jahresrückblick kann hier zwei Formen annehmen. Entweder jeder Haushalt macht seinen eigenen, mit den Erinnerungen, die dort entstanden sind. Oder, wenn die Kommunikation gut genug ist, entsteht ein gemeinsames Album, das zeigt: Wir sind zwar nicht mehr zusammen, aber wir sind immer noch die Familie dieses Kindes.
Wenn das Jahr schwer war:
Nicht jedes Jahr ist voller Highlights. Manchmal war es ein Jahr mit Krankheit, Verlust oder Veränderungen, die niemand gewollt hat. Dann geht es beim Rückblick nicht darum, alles schönzureden. Es geht darum, auch die schweren Momente zu sehen und vielleicht zu erkennen, was trotzdem da war. Die Menschen, die geholfen haben. Die kleinen Lichtblicke dazwischen. Die Kraft, die es gebraucht hat, um durchzuhalten.
Wenn Kinder noch sehr klein sind:
Mit Babys und Kleinkindern funktioniert das Fragespiel noch nicht. Aber der Foto-Rückblick funktioniert trotzdem, und er ist vielleicht sogar noch wertvoller. Denn in den ersten Jahren verändert sich so viel, so schnell, dass Eltern selbst oft staunen, wenn sie Fotos vom Januar sehen: War das wirklich erst dieses Jahr?
Was bleibt #
Ein Jahresrückblick ist kein perfektes Familienritual, das auf Instagram gepostet werden muss. Er ist auch keine Verpflichtung, die ihr jetzt jedes Jahr machen müsst, sonst hat der Dezember versagt.
Er ist eine Einladung. Eine Möglichkeit, diese seltsamen Tage zwischen den Jahren mit etwas zu füllen, das mehr Substanz hat als die nächste Folge einer Serie. Eine Chance, gemeinsam zu sehen, was war, bevor das neue Jahr alles wieder überlagert.
Vielleicht macht ihr es dieses Jahr und nie wieder. Vielleicht wird es zur Tradition. Vielleicht sitzt du in zehn Jahren mit deinem dann-Teenager zusammen und blättert durch die alten Alben, und er sagt: Das haben wir doch immer zwischen den Jahren gemacht.
Du weißt es nicht. Niemand weiß, was bleibt.
Aber dieses Jahr ist da. Die Erinnerungen sind da, auch wenn sie versteckt sind. Die Fotos sind da, auch wenn sie niemand anschaut. Die Menschen, die ihr liebt, sind da, auch wenn manche weit weg wohnen.
Vielleicht ist jetzt, in diesem Niemandsland zwischen dem alten und dem neuen Jahr, genau der richtige Moment, um das alles zusammenzubringen.