Wer ist wann wo? Ein ehrlicher Guide für Familien, die Weihnachten zwischen mehreren Orten jonglieren

7 Min. Lesezeit von Kore Nordmann

Das Gefühl, es niemandem recht machen zu können, kombiniert mit dem Wunsch, dass die Kinder ein schönes Fest haben - nicht ein gehetztes Durchreise-Event

Du kennst das vielleicht: Der Dezember hat gerade erst richtig angefangen, und schon türmen sich die Nachrichten. “Ihr kommt doch Heiligabend?” “Wann seid ihr am ersten Feiertag bei uns?” “Oma fragt, ob ihr zum Kaffee schafft.” Und irgendwo zwischen dem dritten WhatsApp-Ping und dem Blick auf den Kalender merkst du, wie sich dein Magen zusammenzieht.

"Wer ist wann wo? Ein ehrlicher Guide für Familien, die Weihnachten zwischen mehreren Orten jonglieren"

Weihnachten soll das Fest der Besinnlichkeit sein. Aber für viele Familien fühlt es sich eher an wie ein logistischer Hindernislauf. Drei Tage, vier Stationen, überforderte Kinder, die zum dritten Mal Geschenke auspacken und eigentlich nur noch ihre Ruhe wollen. Eltern, die mehr Zeit im Auto verbringen als unterm Weihnachtsbaum. Und am Ende fragt sich jeder still: Warum machen wir das eigentlich?

Wenn du dich darin wiedererkennst, bist du nicht allein. Und nein, es liegt nicht daran, dass du nicht organisiert genug bist oder deine Familie “zu kompliziert” ist. Es liegt daran, dass moderne Familien nun mal komplexer sind als das Bild, das uns Weihnachtswerbung verkauft.

Warum sich Weihnachten heute anders anfühlt #

Die Zeiten, in denen drei Generationen im selben Dorf wohnten und Heiligabend gemeinsam in der Stube feierten, sind für die meisten von uns vorbei. Berufliche Mobilität, unterschiedliche Lebenswege, Trennungen und neue Partnerschaften haben Familien geografisch und strukturell verändert.

Das ist weder gut noch schlecht. Es ist einfach Realität.

Aber diese Realität bedeutet auch: Die Erwartung, dass wir Weihnachten “wie früher” feiern, kollidiert mit der Tatsache, dass unsere Familien heute anders aussehen. Da sind die Großeltern, die 300 Kilometer entfernt wohnen. Der Ex-Partner, mit dem du dir die Feiertage teilst. Die Schwiegereltern, die sich übergangen fühlen, wenn ihr nicht mindestens einen Tag bei ihnen seid. Und mittendrin: Kinder, die eigentlich nur mit ihren neuen Spielsachen spielen wollen.

Das Ergebnis? Ein Wettrennen von Termin zu Termin, bei dem am Ende niemand wirklich zufrieden ist.

Die 3-Fragen-Methode: Bevor du Ja sagst #

Bevor du die nächste Einladung annimmst oder den nächsten Besuch zusagst, halte kurz inne. Drei einfache Fragen können dir helfen, aus dem Autopilot-Modus auszusteigen und bewusster zu entscheiden.

Frage 1: Was wollen WIR eigentlich?

Nicht was die Großeltern erwarten. Nicht was ihr letztes Jahr gemacht habt. Nicht was sich gehört. Sondern: Was wünscht ihr euch als Familie für diese Feiertage? Vielleicht ist es tatsächlich die große Runde mit allen. Vielleicht ist es aber auch ein ruhiger Heiligabend zu viert, an dem die Kinder Zeit haben, ihre Geschenke wirklich zu entdecken. Beides ist in Ordnung. Aber nur du kannst wissen, was für eure Situation passt.

Frage 2: Was ist realistisch?

Ehrlich jetzt. Nicht im Sinne von “wenn wir uns beeilen und die Kinder im Auto essen, dann schaffen wir noch den Abstecher zu Onkel Klaus”. Sondern: Was ist machbar, ohne dass alle erschöpft, gereizt und genervt ankommen? Rechne Puffer ein. Für Staus, für Kinder die noch aufs Klo müssen, für den Moment, in dem jemand sein Lieblingskuscheltier vergessen hat. Wenn der Plan schon auf dem Papier eng aussieht, wird er in der Realität nicht funktionieren.

Frage 3: Was brauchen die Kinder wirklich?

Kinder brauchen an Weihnachten keine fünf verschiedenen Bescherungen und sieben verschiedene Verwandtenbesuche. Sie brauchen Präsenz. Menschen, die Zeit für sie haben. Die Möglichkeit, in Ruhe zu spielen. Vorhersehbarkeit statt Hektik. Manchmal ist weniger Programm tatsächlich mehr Weihnachten.

Konkrete Strategien für verschiedene Situationen #

Wenn die Verwandtschaft weit verstreut ist #

Die klassische “Weihnachtsrundreise” mit vier Stationen in drei Tagen funktioniert in den seltensten Fällen. Stattdessen könntet ihr überlegen:

Das Alternativmodell etablieren. Wer sagt, dass Weihnachten nur am 24., 25. und 26. Dezember stattfinden kann? Ein gemeinsames Fest am 23. Dezember oder am ersten Januarwochenende kann genauso schön sein, aber ohne den Zeitdruck. Manche Großeltern sind sogar dankbar, weil sie dann nicht zwischen allen Enkeln aufteilen müssen.

Den jährlichen Wechsel planen. Dieses Jahr Weihnachten bei deinen Eltern, nächstes Jahr bei den Schwiegereltern. Das klingt simpel, erfordert aber, dass alle Beteiligten den Plan kennen und akzeptieren. Kommuniziere früh und klar, nicht erst Anfang Dezember.

Die Reiserichtung umdrehen. Statt dass ihr mit Sack und Pack und übermüdeten Kindern durch die Republik fahrt: Können die Großeltern zu euch kommen? Für viele ältere Menschen ist die Reise leichter als für eine Familie mit kleinen Kindern.

Wenn ihr euch die Feiertage mit einem anderen Elternteil teilt #

Koordination zwischen zwei Haushalten ist anspruchsvoll. Besonders an Weihnachten, wenn beide Seiten das Fest natürlich mit den Kindern verbringen möchten.

Frühzeitig absprechen. Nicht Anfang Dezember, sondern im Oktober oder November. Wer hat die Kinder wann? Wie funktionieren die Übergaben? Je früher ihr das klärt, desto weniger Stress entsteht kurz vor dem Fest.

Die Kinder einbeziehen, aber nicht überfordern. Ältere Kinder können durchaus gefragt werden, was sie sich wünschen. Aber die finale Entscheidung liegt bei den Erwachsenen. Kinder sollten nicht das Gefühl haben, zwischen den Eltern wählen zu müssen.

Unterschiedliche Traditionen akzeptieren. Vielleicht gibt es bei dir das Christkind und beim anderen Elternteil den Weihnachtsmann. Vielleicht ist das eine Zuhause traditioneller, das andere lockerer. Das ist in Ordnung. Kinder können erstaunlich gut mit verschiedenen Familienkulturen umgehen, solange beide Welten für sich stimmig sind.

Digitale Koordination nutzen. Geteilte Kalender, klare Absprachen, transparente Planung. Plattformen wie Hejme ermöglichen es, Events und Absprachen für verschiedene Familienkreise zu organisieren, ohne dass die Kommunikation im WhatsApp-Chaos untergeht. Das reduziert Missverständnisse und die ewigen “Wann nochmal?”-Nachfragen.

Wenn die Erwartungen zu hoch sind #

Manchmal ist das größte Problem nicht die Logistik, sondern die Erwartungen. Die eigene Mutter, die beleidigt ist, wenn ihr nicht Heiligabend kommt. Der Schwiegervater, der nicht versteht, warum drei Stunden Besuch “reichen müssen”.

Hier hilft nur eines: ehrliche, freundliche Kommunikation. Und zwar nicht als Verteidigung, sondern als Erklärung eurer Situation.

Ein paar Formulierungen, die helfen können:

“Wir haben gemerkt, dass die Kinder mit dem ganzen Programm überfordert waren. Dieses Jahr wollen wir es ruhiger angehen.”

“Wir können nicht an allen Tagen überall sein. Deshalb haben wir entschieden, dass…”

“Wir wissen, das ist anders als früher. Aber für unsere Familie funktioniert das gerade besser so.”

Der Schlüssel ist: Erkläre deine Entscheidung, aber diskutiere sie nicht. Du musst dich nicht rechtfertigen. Es reicht, freundlich aber bestimmt zu kommunizieren, was für eure Familie passt.

Eine kleine Checkliste für entspanntere Feiertage #

Hier ein paar Punkte zum Abhaken, die helfen können, den Überblick zu behalten:

Die Terminplanung ist abgeschlossen und alle Beteiligten wissen Bescheid. Nicht nur “irgendwie besprochen”, sondern wirklich geklärt. Wer, wann, wo, wie lange.

Reisezeiten sind realistisch geplant, inklusive Puffer. Bei längeren Strecken: Ist die Strecke am 24. Dezember wirklich die beste Idee, oder gibt es Alternativen?

Die Kinder haben Zeit zum Ankommen und Spielen eingeplant. Nicht nur fünf Minuten zwischen Ankunft und nächster Abfahrt.

Geschenke sind koordiniert, besonders bei getrennten Eltern. Nicht um den Überblick zu behalten wer mehr schenkt, sondern um doppelte Geschenke zu vermeiden und den Kindern einen Überblick zu geben.

Es gibt einen Plan B. Was passiert, wenn jemand krank wird? Wenn das Wetter keine Reise zulässt? Wenn ein Kind plötzlich nicht mehr will?

Ihr habt mindestens einen Tag Puffer eingeplant. Einen Tag ohne Verpflichtungen, an dem ihr einfach als Familie seid.

Daran darfst du dich erinnern #

Weihnachten ist kein Leistungssport. Es geht nicht darum, möglichst viele Termine abzuhaken, möglichst viele Erwartungen zu erfüllen, möglichst allen gerecht zu werden.

Es geht darum, Zeit mit Menschen zu verbringen, die dir wichtig sind. Und manchmal bedeutet das, weniger Menschen zu sehen, dafür aber wirklich präsent zu sein.

Du darfst Nein sagen. Du darfst Termine absagen. Du darfst neue Traditionen erfinden, die zu deiner Familie passen, nicht zu der Familie, die du vor zehn Jahren hattest oder die sich andere vorstellen.

Und falls dieses Jahr doch wieder alles etwas chaotisch wird: Auch das ist okay. Kein Weihnachtsfest muss perfekt sein. Es muss nur eures sein.

Die gute Nachricht ist: Jede Entscheidung, die du dieses Jahr triffst, ist eine Übung für nächstes Jahr. Mit der Zeit werdet ihr herausfinden, was für eure Familie funktioniert. Welche Besuche sich lohnen, welche ihr in Zukunft anders gestalten wollt, welche Traditionen bleiben dürfen und welche ihr loslassen könnt.

Weihnachten darf sich verändern. Genau wie deine Familie sich verändert hat. Und vielleicht ist das am Ende sogar das Schönste daran.