Totensonntag vorbei, Advent im Anmarsch: So koordinierst du die Weihnachtsdeko in der (Groß-)Familie ohne Drama

7 Min. Lesezeit von Kore Nordmann

Die Zerrissenheit zwischen Vorfreude und Respekt, zwischen Generationen und ihren Werten

Die Lichterkette liegt schon seit Anfang November im Flur bereit. Die Kinder fragen täglich, wann sie endlich den Adventskranz basteln dürfen. Aber dann kommt die WhatsApp von Oma: “Vor Totensonntag wird nicht geschmückt!” Kennst du das? Diese Woche, zwischen dem 23. November (Totensonntag) und dem 30. November (1. Advent), ist in vielen Familien die Zeit der großen Deko-Diplomatie.

"Totensonntag vorbei, Advent im Anmarsch: So koordinierst du die Weihnachtsdeko in der (Groß-)Familie ohne Drama"

Du bist nicht allein mit diesem jährlichen Spagat zwischen Tradition und Vorfreude. Besonders wenn deine Familie über mehrere Haushalte verteilt ist – sei es durch Trennung, verschiedene Wohnorte der Großeltern oder einfach unterschiedliche Lebensmodelle – wird die Koordination zur echten Herausforderung.

Der ewige Konflikt: Tradition trifft auf moderne Familie #

Für viele ältere Generationen ist klar: Der Totensonntag ist ein stiller Feiertag, dem Gedenken an Verstorbene gewidmet. Weihnachtsdeko vorher aufzuhängen, empfinden sie als respektlos. Diese Haltung hat historische Wurzeln und ist tief in der evangelischen Tradition verwurzelt. Der Totensonntag markiert das Ende des Kirchenjahres – erst danach beginnt mit dem Advent die Vorweihnachtszeit.

Gleichzeitig leben wir in einer Zeit, in der Weihnachtsmärkte schon Mitte November öffnen und die Supermärkte seit Oktober Lebkuchen verkaufen. Deine Kinder sehen bei Freunden vielleicht schon leuchtende Fenster und fragen sich, warum bei euch noch alles dunkel ist. Und wenn du in einer Patchwork-Familie lebst, kann es sein, dass im anderen Haushalt ganz andere Regeln gelten.

Die gute Nachricht: Es gibt keinen “richtigen” Weg. Es gibt nur den Weg, der für deine Familie funktioniert.

Verschiedene Familienkonstellationen, verschiedene Lösungen #

Die Mehrgenerationen-Konstellation:
Wenn Großeltern, Eltern und Kinder unter einem Dach leben oder sich regelmäßig sehen, prallen oft Welten aufeinander. Die 80-jährige Oma besteht auf Tradition, während die Enkel schon Halloween-Deko gewöhnt sind, die nahtlos in Weihnachten übergeht.

Getrennte Eltern:
Hier wird’s besonders knifflig. Vielleicht hält Papa sich strikt an Totensonntag, während bei Mama schon zwei Wochen vorher die erste Lichterkette hängt. Die Kinder pendeln zwischen zwei Welten und zwei Deko-Philosophien.

Patchwork-Familien:
Jeder bringt eigene Traditionen mit. Deine Kinder kennen es so, seine Kinder anders. Dazu kommen vielleicht noch die jeweiligen Großeltern mit ihren Vorstellungen. Ein bunter Mix, der nach kreativen Lösungen verlangt.

Großeltern auf Distanz:
Sie wollen teilhaben, sehen aber nur über Fotos, wie geschmückt wird. Der Druck, es “richtig” zu machen, ist oft besonders groß, wenn man weiß, dass die Schwiegermutter jeden Instagram-Post kritisch beäugt.

Die Diplomatie-Toolbox: So findest du einen Weg #

1. Das Gespräch suchen (bevor die Emotionen hochkochen) #

Timing ist alles. Führe das Gespräch über Deko-Traditionen nicht erst, wenn du mit der Lichterkette in der Hand vor Oma stehst. Ein ruhiges Telefonat Anfang November kann Wunder wirken:

“Oma, ich weiß, dir ist der Totensonntag wichtig. Lass uns mal überlegen, wie wir das dieses Jahr mit den Kindern handhaben. Sie sind so aufgeregt wegen der Adventszeit.”

2. Kompromisse, die sich nicht wie Niederlagen anfühlen #

Der Stufenplan:

  • Vor Totensonntag: Deko vorbereiten, basteln, planen (aber noch nicht aufhängen)
  • Nach Totensonntag: Dezente Deko anbringen
    1. Advent: Volle Beleuchtung und Feierlichkeit

Die Innen-Außen-Lösung:
Drinnen darfst du früher dekorieren (das sieht ja keiner), draußen wartest du bis nach dem Totensonntag.

Die Aktivitäts-Alternative:
Statt zu dekorieren, nutzt die Zeit vor Totensonntag für Vorbereitungen: Plätzchen backen (und einfrieren), Adventskranz binden (aber Kerzen erst später anzünden), Wunschzettel schreiben.

3. Bei getrennten Haushalten: Klare Absprachen #

Wenn deine Kinder zwischen zwei Haushalten pendeln, braucht es Koordination:

  • Macht einen Deko-Kalender: Wer schmückt wann was? So gibt’s keine Doppelungen und beide Elternteile haben ihre Momente.
  • Teilt die Traditionen auf: Vielleicht macht Mama den Adventskranz, Papa kümmert sich um den Weihnachtsbaum.
  • Respektiert unterschiedliche Ansätze: Es ist okay, wenn es bei Papa anders aussieht als bei Mama. Kinder können das verstehen und sogar als Bereicherung erleben.

4. Neue Traditionen schaffen #

Wer sagt denn, dass alles so bleiben muss, wie es immer war? Gerade Patchwork-Familien haben die Chance, ganz eigene Traditionen zu entwickeln:

  • Der Familien-Deko-Tag: Ein festes Datum, an dem alle zusammenkommen und gemeinsam schmücken. Das kann der Samstag nach Totensonntag sein.
  • Die Lichter-Zeremonie: Erst werden alle Lichter gemeinsam angebracht, aber das große “Einschalten” erfolgt rituell am 1. Advent.
  • Der Generationen-Mix: Oma darf die traditionellen Strohsterne beisteuern, die Kinder ihre selbstgebastelten Einhörner.

Die praktische Checkliste für die Deko-Diplomatie #

Zwei Wochen vor Totensonntag:

  • Mit allen Beteiligten über Erwartungen sprechen
  • Gemeinsamen Deko-Plan erstellen
  • Material besorgen/Bastelnachmittage planen
  • Bei getrennten Haushalten: Wer macht was?

Woche vor Totensonntag:

  • Basteln und vorbereiten (ohne aufzuhängen)
  • Plätzchen backen für später
  • Kinder in Vorfreude-Aktivitäten einbinden
  • Fotos von den Vorbereitungen für die Großeltern machen

Totensonntag (23.11.):

  • Den Tag respektvoll begehen
  • Vielleicht gemeinsam Friedhof besuchen
  • Abends: Vorfreude auf morgen schüren

Nach Totensonntag:

  • Grünes Licht für dezente Deko
  • Adventskranz aufstellen
  • Erste Lichter anbringen

1. Advent (30.11.):

  • Die große Erleuchtung: Alle Lichter an
  • Erste Kerze anzünden
  • Gemeinsames Foto für die Familie
  • Offizieller Start der Weihnachtszeit feiern

Kommunikations-Tipps für heikle Momente #

Wenn Oma sauer ist:
“Ich verstehe, dass dir das wichtig ist. Wir respektieren den Totensonntag. Die Kinder basteln nur vor, aufgehängt wird erst danach.”

Wenn die Kinder quengeln:
“Bei anderen ist es anders, bei uns ist es so. Nach dem Wochenende geht’s los, dann helft ihr alle mit!”

Wenn der Ex anders macht:
“Bei Papa/Mama ist es so, bei uns so. Beides ist okay. Ist doch cool, dass du zwei verschiedene Arten kennenlernst.”

Wenn neue Partner unsicher sind:
“Du musst nicht alles genau wie früher machen. Lass uns zusammen überlegen, was für uns als neue Familie passt.”

Technische Hilfen für bessere Koordination #

In Zeiten, wo Familien oft verstreut leben, kann Technik die Koordination erleichtern. Private Familien-Plattformen wie Hejme ermöglichen es beispielsweise, Deko-Events zu planen, bei denen alle mit RSVP zusagen können. So weiß jeder, wann das gemeinsame Schmücken stattfindet. Auch das Teilen der fertigen Deko-Fotos in einem geschützten Rahmen – nur für die Familie sichtbar – kann Großeltern auf Distanz einbinden, ohne dass gleich die halbe Social-Media-Welt mitschaut.

Ein geteilter Kalender (egal ob digital oder der gute alte Papierkalender in der Küche) hilft bei getrennten Haushalten: Wer schmückt wann den Tannenbaum? Bei wem wird welcher Weihnachtsmarkt besucht? So vermeidest du Doppelungen und stellst sicher, dass jeder seine besonderen Momente hat.

Der Blick nach vorn: Es wird leichter #

Falls das dein erstes Jahr mit dieser Herausforderung ist: Es wird besser. Familien finden ihren Rhythmus. Die anfänglichen Konflikte legen sich, wenn erstmal klar ist, “wie wir das machen”. Kinder gewöhnen sich an unterschiedliche Traditionen in verschiedenen Haushalten. Großeltern merken, dass die Welt nicht untergeht, wenn die Lichterkette einen Tag früher hängt.

Und das Wichtigste: Perfektion ist nicht das Ziel. Es geht nicht darum, ein Instagram-würdiges Weihnachten zu inszenieren oder es allen hundertprozentig recht zu machen. Es geht darum, eine Lösung zu finden, mit der deine Familie – in welcher Konstellation auch immer – gut leben kann.

Fazit: Dein Advent, deine Regeln (mit Respekt für andere) #

Die Zeit zwischen Totensonntag und 1. Advent muss kein Minenfeld sein. Mit offener Kommunikation, kreativen Kompromissen und dem Mut, neue Wege zu gehen, findest du einen Weg, der für deine Familie funktioniert.

Ob du nun die Tradition deiner Großmutter ehrst, einen Mittelweg findest oder ganz neue Familienrituale etablierst: Wichtig ist, dass alle gehört werden und niemand das Gefühl hat, übergangen zu werden. Die Adventszeit soll schließlich Vorfreude bringen, nicht Familienstress.

Also, tief durchatmen. In ein paar Tagen ist Totensonntag vorbei, und dann kannst du mit gutem Gewissen die Lichterkette aus dem Flur holen. Bis dahin: Plätzchentag vorbacken, Bastelmaterial sortieren und die Vorfreude genießen. Der Advent kommt bestimmt – und mit ihm die Chance, es dieses Jahr ein bisschen entspannter anzugehen als letztes Jahr.