Der erste Advent in zwei Welten: Weihnachtsvorbereitung wenn die Familie getrennt lebt
Sehnsucht nach heiler Familie, Trauer über Verlust alter Traditionen, Hoffnung auf neue Wege
Der Adventskalender hängt schon an der Wand – aber welcher eigentlich? Der bei Mama oder der bei Papa? Und wer backt die ersten Plätzchen, wer schmückt wann, und wie erklärt man dem Kind, warum der Adventskranz bei Papa anders aussieht als bei Mama?

Wenn du dich gerade zum ersten Mal auf eine getrennte Adventszeit vorbereitest, kennst du diese Fragen vermutlich gut. Der Knoten im Bauch, wenn du an all die Traditionen denkst, die ihr “immer schon so” gemacht habt. Die Unsicherheit, wie du deinem Kind erklären sollst, warum dieses Jahr alles anders ist. Und gleichzeitig der Wunsch, dass es trotzdem – oder gerade deswegen – eine schöne Zeit wird.
Die Adventszeit neu denken #
Die gute Nachricht zuerst: Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jede getrennte Familie findet ihren eigenen Weg durch die Vorweihnachtszeit. Was für die Nachbarn funktioniert, muss nicht für dich passen. Und was letztes Jahr noch undenkbar schien, kann dieses Jahr genau das Richtige sein.
Der Advent in zwei Haushalten bedeutet nicht automatisch doppelten Stress oder halbe Freude. Es kann auch bedeuten: neue Traditionen, mehr Flexibilität und die Chance, Dinge anders zu machen als “man” es immer gemacht hat.
Praktische Koordination ohne Konkurrenzkampf #
Der Adventskalender-Kompromiss #
Die Adventskalender-Frage lösen getrennte Eltern unterschiedlich. Hier sind die häufigsten Modelle:
Das Wechselmodell: Das Kind hat einen Kalender, der zwischen den Haushalten wandert. Morgens öffnet es das Türchen dort, wo es gerade ist. Das funktioniert gut, wenn die Übergänge reibungslos klappen und beide Eltern nah beieinander wohnen.
Das Doppelmodell: Bei Mama und Papa gibt es jeweils einen Kalender. Die Türchen werden entsprechend der Anwesenheit geöffnet – mal mehrere auf einmal, mal gar keins. Wichtig: Beide Kalender sollten etwa gleichwertig sein, um Enttäuschungen zu vermeiden.
Das Aufteilungsmodell: Ein Elternteil übernimmt den klassischen Schokoladenkalender, das andere einen selbstgebastelten mit kleinen Gutscheinen oder Aktivitäten. So hat jeder seine eigene Tradition, ohne in Konkurrenz zu treten.
Adventskranz und Dekoration #
Auch hier gilt: Unterschiede sind okay. Der Adventskranz bei Papa muss nicht aussehen wie der bei Mama. Im Gegenteil – für Kinder kann es bereichernd sein zu erleben, dass es verschiedene Arten gibt, sich auf Weihnachten vorzubereiten.
Was hilft: Sprich mit deinem Kind darüber. “Bei Papa gibt es einen grünen Kranz mit roten Kerzen, bei mir einen mit weißen Kerzen und Sternen. Beides ist schön und beides bedeutet, dass wir uns auf Weihnachten freuen.”
Das emotionale Koordinaten-System #
Für die Kinder #
Kinder brauchen in der getrennten Adventszeit vor allem drei Dinge:
Klarheit: Sie wollen wissen, was wann wo passiert. Ein gemeinsamer Kalender, in dem beide Elternteile die Adventsaktivitäten eintragen, hilft enorm. Digitale Familienkalender oder Event-Planungstools können hier die Abstimmung erleichtern, ohne dass man ständig telefonieren muss.
Erlaubnis: Die Erlaubnis, sich bei beiden Elternteilen auf Weihnachten zu freuen. Kein Kind sollte das Gefühl haben, illoyal zu sein, wenn es bei Papa Plätzchen backt, obwohl das “immer Mamas Sache” war.
Kontinuität: Nicht alles muss neu sein. Wenn es Traditionen gibt, die dem Kind wichtig sind, versucht diese beizubehalten – notfalls in abgewandelter Form.
Für dich als Elternteil #
Du darfst traurig sein. Du darfst den Verlust der “heilen” Familienadventszeit betrauern. Diese Gefühle sind normal und wichtig. Aber: Dein Kind muss das nicht auffangen.
Was dir helfen kann:
- Schaffe dir eigene neue Rituale für die Tage, an denen dein Kind beim anderen Elternteil ist
- Tausche dich mit anderen getrennten Eltern aus
- Erinnere dich daran: Es wird leichter. Das erste Jahr ist das schwerste.
Die praktische Checkliste für getrennte Adventseltern #
Bis zum 1. Advent klären: #
- Wer besorgt/bastelt welchen Adventskalender?
- Wo wird der 1. Advent gefeiert? Gibt es einen Wechsel?
- Wer organisiert den Adventskranz für welchen Haushalt?
- Wie werden Nikolaus (6.12.) und Adventswochenenden aufgeteilt?
Kommunikation abstimmen: #
- Gemeinsamen Kalender anlegen (digital oder analog)
- Foto-Sharing vereinbaren: Wie teilt ihr Adventsmomente mit dem anderen Elternteil?
- Geschenkabsprachen für Nikolaus treffen
- Plätzchen-Back-Termine koordinieren (wer backt was wann mit wem?)
Traditionen sortieren: #
- Welche alten Traditionen bleiben bestehen?
- Welche neuen Traditionen führt jeder Haushalt ein?
- Wie werden Großeltern und weitere Familie eingebunden?
Notfallplan erstellen: #
- Was passiert, wenn das Kind am geplanten Besuchstag krank ist?
- Wie geht ihr mit spontanen Weihnachtsfeiern (Schule, Verein) um?
- Wer springt ein, wenn Termine sich verschieben?
Verschiedene Familiensituationen #
Frisch getrennt #
Wenn die Trennung noch frisch ist, kann es helfen, dieses Jahr vieles beim Alten zu lassen. Zu viele Veränderungen auf einmal überfordern alle Beteiligten. Vielleicht schafft ihr es sogar, einzelne Aktivitäten noch gemeinsam zu machen – das Weihnachtsbaumkaufen zum Beispiel.
Mit neuen Partnern #
Neue Partner bringen oft eigene Adventstraditionen mit. Das kann bereichernd sein, sorgt aber auch für mehr Abstimmungsbedarf. Wichtig: Die Kinder bestimmen das Tempo. Niemand muss sofort die Traditionen der “neuen” Familie übernehmen.
Große Entfernungen #
Leben die Elternteile weit auseinander, konzentriert sich die Adventszeit oft auf einen Haushalt. Der andere Elternteil kann trotzdem teilhaben: Gemeinsames Basteln per Videocall, Vorlesen von Adventsgeschichten am Telefon oder das Verschicken von selbstgebackenen Plätzchen per Post.
Patchwork-Konstellationen #
Wenn verschiedene Kinder aus verschiedenen Beziehungen zusammenkommen, wird es komplex. Manche Kinder sind nur jedes zweite Wochenende da, andere leben dauerhaft im Haushalt. Hier hilft: Kerntraditionen etablieren, die immer stattfinden, und flexible Zusatzaktivitäten für wechselnde Konstellationen.
Digitale Helfer für analoge Momente #
Die Koordination zwischen zwei Haushalten wird deutlich einfacher, wenn beide Eltern Zugriff auf die gleichen Informationen haben. Private Familienplattformen wie Hejme ermöglichen es, Events gemeinsam zu planen, ohne endlose WhatsApp-Diskussionen. Großeltern können über geteilte Fotoalben an den Adventsmomenten teilhaben, die sie sonst verpassen würden.
Aber auch simple geteilte Kalender oder sogar ein gemeinsames Notizbuch, das beim Kinderwechsel mitgegeben wird, erfüllen den Zweck. Wichtig ist nicht das Tool, sondern dass beide Eltern informiert sind und das Kind nicht zum Nachrichtenboten wird.
Wenn es doch mal knirscht #
Konflikte in der Adventszeit sind normal – erst recht im ersten Jahr der Trennung. Was dann hilft:
Perspektivwechsel: Frag dich: Geht es hier wirklich um den Adventskalender oder um etwas anderes? Oft sind es die dahinterliegenden Gefühle (Kontrollverlust, Eifersucht, Trauer), die den Konflikt befeuern.
Kindsfokus: Was ist wirklich wichtig für dein Kind? Nicht “was sich gehört” oder “was wir immer gemacht haben”, sondern was deinem Kind in dieser speziellen Situation guttut.
Zeitfaktor: Vieles, was im ersten getrennten Advent dramatisch erscheint, relativiert sich mit der Zeit. Du musst nicht alles sofort perfekt lösen.
Neue Traditionen, neue Chancen #
Die Adventszeit in zwei Welten kann auch Freiheiten bringen. Vielleicht habt ihr früher immer einen traditionellen Adventskranz gehabt, dabei stehst du eigentlich auf bunte Lichterketten? Jetzt ist deine Chance.
Oder dein Kind entdeckt, dass es bei Papa ganz andere Plätzchensorten gibt als bei Mama – und liebt die Vielfalt. Manche Kinder genießen es auch, dass sie manche Adventsaktivitäten zweimal erleben dürfen.
Neue Traditionen können sein:
- Ein Adventsritual nur für dich und dein Kind
- Eine besondere Aktivität an den kindfreien Adventswochenenden
- Ein gemeinsames Projekt, das über die Adventszeit läuft
- Eine neue Art, den Nikolaustag zu feiern
Das Wichtigste zum Schluss #
Dein Kind wird sich später nicht daran erinnern, ob der Adventskalender bei Mama schöner war als bei Papa. Es wird sich daran erinnern, ob die Adventszeit trotz der Trennung eine Zeit der Wärme und Vorfreude war.
Perfekte getrennte Adventseltern gibt es nicht. Es wird Tage geben, an denen du weinst, weil dein Kind das erste Türchen ohne dich öffnet. Es wird Momente geben, in denen die Koordination schiefläuft und der Nikolaus zweimal oder gar nicht kommt. Das ist alles okay.
Was zählt ist, dass du für dein Kind da bist. Dass du ihm zeigst: Auch wenn unsere Familie jetzt anders aussieht, die Liebe bleibt. Der Zauber der Adventszeit bleibt. Er verteilt sich nur auf zwei Welten – und macht beide ein bisschen heller.
Der erste getrennte Advent ist eine Herausforderung, keine Frage. Aber er ist auch eine Chance, Dinge neu zu denken, eigene Wege zu finden und zu zeigen, dass Familie in vielen Formen funktioniert. Dein Kind lernt dabei etwas Wichtiges: Dass Veränderungen zum Leben gehören und dass man auch in schwierigen Zeiten schöne Momente schaffen kann.
Also: Tief durchatmen, Kalender zücken, und Schritt für Schritt in diese neue Adventszeit. Sie wird anders als alle bisherigen – aber sie kann trotzdem wunderschön werden.