Advent auf Distanz: Wie Großeltern trotzdem dabei sein können

7 Min. Lesezeit von Kore Nordmann

Als Großeltern vermissen Sie wahrscheinlich das Kinderlachen in Ihrem Weihnachtszimmer. Sie wären gern bei der Bescherung dabei.

Die zweite Kerze brennt, der Duft von Plätzchen liegt in der Luft, und irgendwo weit weg sitzen Oma und Opa – und vermissen das Kinderlachen im Weihnachtszimmer.

"Advent auf Distanz: Wie Großeltern trotzdem dabei sein können"

Vielleicht kennst du das Gefühl: Du würdest so gerne dabei sein, wenn dein Enkelkind aufgeregt das Türchen am Adventskalender öffnet. Du würdest gerne sehen, wie es den Nikolausstiefel inspiziert oder beim Krippenspiel seinen Text vergisst. Aber 300, 500 oder 2000 Kilometer liegen dazwischen.

Die moderne Arbeitswelt, berufliche Chancen in anderen Städten, internationale Beziehungen – es gibt viele Gründe, warum Familien heute oft über große Entfernungen verstreut leben. Das ist weder gut noch schlecht, es ist einfach Realität für viele von uns. Und gerade im Advent, wenn sich alles um Familie, Traditionen und Zusammensein dreht, kann diese Distanz besonders spürbar werden.

Dieser Artikel ist für beide Seiten geschrieben: Für Großeltern, die ihre Enkel vermissen, und für Eltern, die ihren Kindern trotz der Entfernung eine Verbindung zu Oma und Opa ermöglichen wollen.

Warum der Advent anders ist #

Der Dezember hat eine besondere emotionale Ladung. Überall Bilder von Familien, die gemeinsam Plätzchen backen, zusammen auf dem Weihnachtsmarkt stehen, am Adventskranz sitzen. Es ist die Zeit im Jahr, in der uns am deutlichsten bewusst wird, wen wir vermissen.

Gleichzeitig ist der Advent auch wahnsinnig voll: Schulaufführungen, Vereinsfeiern, Firmenweihnachten, Geschenke besorgen. Manchmal bleibt für die eigene Familie kaum Zeit – geschweige denn für ausgedehnte Besuche bei den Großeltern.

Das soll keine Entschuldigung sein, sondern eine Anerkennung der Realität. Viele Familien jonglieren mit begrenzten Urlaubstagen, langen Anfahrtswegen und dem Wunsch, es allen recht zu machen.

Die gute Nachricht: Verbundenheit ist keine Frage von Kilometern. Mit ein bisschen Kreativität und bewusster Gestaltung kann die Adventszeit auch über Distanz geteilt werden – auf eine Art, die für alle Beteiligten bereichernd ist.

Sieben Wege, den Advent gemeinsam zu erleben #

1. Der geteilte Adventskalender #

Statt nur einen Kalender zu haben, könnt ihr zwei identische besorgen – einen für die Enkel, einen für Oma und Opa. Jeden Tag öffnet ihr parallel das gleiche Türchen und schickt euch kurz eine Nachricht oder ein Foto davon.

Noch persönlicher wird es, wenn die Großeltern einen selbstgemachten Adventskalender schicken. Das muss nichts Aufwendiges sein: 24 kleine Briefchen mit Geschichten aus der eigenen Kindheit, Rätseln, Mini-Aufgaben oder einfach lieben Worten. Für die Großeltern wird das Basteln zur schönen Vorbereitung, für die Enkel eine tägliche Verbindung.

2. Die Advents-Telefonzeit #

Vereinbart feste Zeiten für Video-Anrufe – nicht irgendwann, sondern verbindlich. Zum Beispiel jeden Sonntag um 16 Uhr zum Kerzenanzünden. Wenn Kinder wissen, dass sie Oma und Opa regelmäßig sehen werden, verändert das etwas: Die Verbindung wird zur Gewohnheit, nicht zum Ausnahmefall.

Für die Anrufe selbst ein paar Tipps: Haltet sie nicht zu lang (Kinder haben oft schnell genug), aber regelmäßig. Plant etwas Konkretes – gemeinsam ein Weihnachtslied singen, ein Bilderbuch vorlesen, zeigen was gebastelt wurde. Das gibt dem Gespräch Struktur und macht es für alle entspannter.

3. Das Päckchen, das mehr ist als Geschenke #

Ein Adventspaket von den Großeltern ist natürlich immer schön. Aber es kann mehr sein als Süßigkeiten und Spielzeug: Legt etwas bei, das eine Geschichte erzählt. Das Lieblingsrezept von Oma für Vanillekipferl. Ein Foto vom Weihnachtsbaum eurer Kindheit. Eine Weihnachtskugel, die schon Generationen überdauert hat.

Solche Dinge schaffen Kontinuität. Sie zeigen den Enkeln: Du bist Teil einer größeren Geschichte, auch wenn wir gerade weit auseinander sind.

4. Das gemeinsame Ritual – synchron, aber getrennt #

Wählt ein Adventsereignis aus, das ihr zeitgleich erlebt. Vielleicht schaut ihr alle am gleichen Abend denselben Weihnachtsfilm. Vielleicht backt ihr am dritten Advent gemeinsam Plätzchen – jeder in seiner Küche, aber über Video verbunden.

Das funktioniert natürlich nicht für alles und nicht für jeden. Großeltern, die mit Technik kämpfen, und erschöpfte Eltern, die nach der Arbeit noch kochen müssen, haben vielleicht nicht die Energie für aufwendige Synchron-Aktionen. Deshalb: Wählt bewusst aus, was realistisch ist, statt zu viel zu planen und dann frustriert zu sein.

5. Die Foto-Brücke #

Bilder sagen mehr als tausend Worte – besonders wenn die Worte noch fehlen, weil das Enkelkind erst zwei ist. Ein kurzes Foto vom Nikolausstiefel, vom selbstgemalten Weihnachtsbild, vom Krippenspiel kann Großeltern das Gefühl geben, dabei zu sein.

Der Haken: Viele Eltern zögern, Kinderfotos über WhatsApp-Gruppen oder soziale Medien zu teilen – aus gutem Grund. Private Foto-Sharing-Plattformen wie Hejme bieten hier einen Mittelweg: Die Bilder bleiben in einem geschlossenen Kreis, werden nicht von Algorithmen analysiert und auch Großeltern ohne Smartphone können per E-Mail eingebunden werden.

Wichtig ist nicht das Medium, sondern die Regelmäßigkeit. Lieber jeden Tag ein schnelles Handyfoto als einmal im Monat eine perfekt kuratierte Auswahl.

6. Der Brief, der bleibt #

In Zeiten von Sprachnachrichten und Video-Calls mag das altmodisch klingen, aber: Briefe haben eine besondere Qualität. Sie können aufgehoben werden. Sie zeigen, dass sich jemand Zeit genommen hat.

Großeltern können eine Adventspost-Tradition beginnen – jede Woche eine Karte mit ein paar Zeilen. Und Kinder, die schon schreiben können, freuen sich oft über die Gelegenheit, selbst Post zu verschicken. Der Gang zum Briefkasten wird zum kleinen Abenteuer.

7. Der Besuch, der kommt – aber anders #

Manchmal ist ein Besuch im Dezember einfach nicht möglich. Zu teuer, zu stressig, zu voll der Terminkalender. Aber wer sagt, dass Weihnachten am 24. Dezember sein muss?

Viele Familien feiern mittlerweile ein zweites Weihnachten – im Januar, wenn alles ruhiger ist, die Züge billiger und die Nerven weniger angespannt. Das ist nicht weniger echt. Es ist nur anders.

Oder ihr plant bewusst den nächsten Besuch und macht diese Vorfreude zum Thema: Ein Countdown-Kalender bis zum Wiedersehen, gemeinsame Überlegungen was ihr dann zusammen macht.

Was wirklich zählt #

All diese Ideen sind nur Werkzeuge. Was dahinter steht, ist wichtiger: Das Wissen, dass Verbundenheit gepflegt werden will, aber nicht perfekt sein muss.

Es wird Adventssonntage geben, an denen der Video-Call nicht klappt, weil das WLAN spinnt. Es wird Pakete geben, die zu spät ankommen. Es wird Momente geben, in denen die Sehnsucht größer ist als alle Kreativität überbrücken kann.

Das ist okay. Kinder spüren nicht, ob jedes Ritual perfekt ausgeführt wurde. Sie spüren, ob sie gemeint sind. Ob jemand an sie denkt. Ob sie Teil von etwas Größerem sind.

Eine kleine Checkliste für diesen Advent #

Für Großeltern:

  • Feste Video-Call-Zeiten vorschlagen, die zum Familienrhythmus passen
  • Eine kleine Adventspost-Tradition beginnen
  • Die Eltern fragen, wie sie am liebsten Fotos und Updates bekommen
  • Sich selbst erlauben, die Sehnsucht zu fühlen – und trotzdem die Verbindung zu gestalten

Für Eltern:

  • Großeltern aktiv einbinden, nicht warten bis sie fragen
  • Regelmäßig kleine Updates schicken, auch wenn sie unperfekt sind
  • Kinder ermutigen, selbst Kontakt aufzunehmen
  • Realistische Erwartungen haben – an sich selbst und an alle anderen

Für alle:

  • Ein gemeinsames Ritual wählen, das wirklich machbar ist
  • Qualität vor Quantität – lieber ein schöner Video-Call als fünf gestresste
  • Den nächsten Besuch planen und zur gemeinsamen Vorfreude machen

Verbunden bleiben, auch über Kilometer #

Die Adventszeit lädt uns ein, innezuhalten. Das gilt auch für Familienbeziehungen. Vielleicht ist dieser Dezember eine gute Gelegenheit, bewusster zu gestalten, wie ihr als Familie über Distanz verbunden bleibt – nicht nur jetzt, sondern das ganze Jahr über.

Die zweite Kerze brennt. Irgendwo weit weg brennt sie auch. Und irgendwie ist das auch eine Form von Zusammensein.